Eine gute Hautpflege kann Beschwerden lindern

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Hautveränderungen bei einer Nierenerkrankung

Zwischen den Organsystemen Haut und Nieren bestehen Wechselbeziehungen. Oft ist die Lebensqua­lität von nierenkranken Patienten nicht nur durch ihren Nierenschaden eingeschränkt, sondern häufig auch durch Begleiterkrankungen der Haut. Welche Hautveränderungen auftreten, wie sie behandelt werden und wie der Patient die Therapie selbst unterstützen kann, erklärt Professor Dr. med. Kristian Reich, ärztlicher Leiter am Dermatologikum Hamburg.

Die Haut ist mit einer Fläche von rund zwei Quadratmetern und einem Gewicht von 3,5 bis 10 Kilogramm das größte Or­gan des Menschen. Ist der Körper erkrankt, verändert sich die Haut. Welche Krankheiten bewirken Hautveränderun­gen?

Die Haut hat ein sehr aktives Immunsystem und ist sehr gut durchblutet. Daher reagiert die Haut bei vielen Erkrankungen, auch solchen der Niere. Dabei sind verschiedene Situationen denkbar. Zum einen kann sich ein und dieselbe Er­krankung sowohl an der Haut als auch an den Nieren auswirken, zum Beispiel Gefäßentzündungen oder auch ein Diabetes.

Zum anderen können Hautveränderungen als Folge einer Nie­renerkrankung auftreten. Dazu zählt ein recht charakteristisches Spektrum an Hautveränderungen, die bei chronischer Einschränkung der Nierenfunktion und bei Dialysepatienten beob­achtet werden. Schließlich können Hautveränderungen auch durch Medikamente ausgelöst wer­den, die aufgrund einer Nierenerkrankung gege­ben werden. Hier spielen vor allem die nach einer Nierentransplantation notwendigen Immunsuppressiva eine Rolle.

Welche Hautveränderungen entstehen durch Niereninsuffizienz?

Bei nahezu allen Patienten tritt eine Störung der Hautbarriere auf. Das bedeutet eine Verände­rung auch der Architektur der Hornzellen, aber auch der Aktivität der Schweiß- und Talgdrüsen. Man kann sich die Hornhaut wie ein Mauerwerk vorstellen: Die Hornzellen stellen die Backsteine dar. Der Mörtel, der die Hornzellen zusammen­hält, besteht aus speziellen Fetten, insgesamt ent­steht eine Barriereschicht mit Membranstruktur. Bei Störungen der Membranstruktur bricht die Barrierefunktion zum Teil zusammen – es geht mehr Wasser verloren. Die Haut trocknet aus, juckt und ist aufgrund der erhöhten Rauhigkeit und Rissigkeit auch anfälliger für Infekte.

Von einer vermehrten Hautverletzlichkeit sind 50 bis 90 Prozent aller Dialysepatienten betroffen. Bei zir­ka 30 Prozent treten zusätzlich Wundheilungs­störungen auf. Rund 70 Prozent aller Dialysepati­enten klagen über Hautjucken. Damit ist Jucken nach Hauttrocken­heit das häufigste Symptom bei Patienten mit chronischen Nierenerkrankungen.

Gibt es weitere, krankheitsbedingte Veränderungen?

Bräunlich-gelbliche Flecken auf der Haut und eine verminderte Elastizität der Haut durch Bin­de­gewebsstörung, also insgesamt Zeichen einer vorzeitigen Hautalterung. Werden außerdem die empfindlichen Gewebe, die die Nägel bilden, nicht optimal versorgt, treten auch aufgrund einer mangelnden Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen bei 70 Prozent aller Dialysepatienten Veränderungen an den Finger- und Fußnägeln auf.

Jucken (Pruritus) ist nicht nur eine der häufigsten Hautsymptome bei Dialysepati­enten, sondern auch eine der quälendsten. Wo liegen die Ursachen?

Das ist ein komplexes Geschehen. Die Ursachen liegen in einer gestörten Barriere und ent­zündlichen Reaktion der Haut selbst, aber auch in Veränderungen im Stoffwechsel durch die Erkrankung der Nieren. Über Barrierestörung, Hauttrockenheit und Jucken haben wir schon gesprochen. Die Niere ist ein wichtiges Ausscheidungsorgan von Abfallprodukten des Stoffwechsels. Die vermehrte Einlagerung dieser Abfallprodukte auf und in der Haut kann Jucken verstärken. Eine wichtige Rolle neben entzündlichen Botenstoffen und Stoffwechselprodukten spielen auch funktionelle Veränderungen in den Nerven, die für die Entstehung der Empfindung „Jucken“ verantwortlich sind. Sie gehören zu den freien Nerven­endigungen, die bis in die oberen Hautschichten reichen. Schmerzreize übertönen das Jucken, darum hat Kratzen eine lindernde Wirkung, ist aber für die Haut alles andere als gut.

Wie können die Beschwerden gelindert werden?

Am besten unterstützt der Patient die Behand­lung seiner Hauterkrankung, indem er seine Haut regelmäßig mit einer wasserbindenden Pflegelotion eincremt. Daneben sind anti-ent­zündliche Strategien mit lokal wirksamen Cremes sinnvoll. Die aus der Behandlung der Neurodermitis bekannten topischen Calcineurininhibitoren haben sich in ersten Studien auch in der Behandlung des entzündlichen Pruritus als nützlich erwiesen. In schwereren Fällen kann eine Lichttherapie zu einer weiteren Besserung führen.

Wie sieht es bei Patienten nach einer Transplantation aus, bessern sich die Hautveränderungen oder verschwinden sogar?

Es ist ja so: Transplantierte Patienten hatten meist schon über Jahre eine schwere Nierenschädigung und damit verbunden auch bereits eine Hautschädigung mit entsprechenden Veränderungen. Sicherlich können sich durch die Transplantation einige Hautveränderungen auch wieder verringern. Andererseits kommen neue mögliche Veränderungen auf Haut und Schleimhäute hinzu, die mit der Einnahme von Medikamenten in Zusammenhang stehen, die zur Verhinderung der Abstoßung eingenommen werden. Dazu zählt ein erhöhtes Hautkrebsrisiko.

Für transplantierte Patienten ist es daher besonders wichtig, dass sie von einem Hautarzt regelmäßig ein Hautkrebsscreening durchführen lassen und eine Beratung über Sonnenschutz erhalten. Mittlerweile gibt es sogar Lichtschutzmittel, die aufgrund positiver Studienergebnisse als Medizinprodukt speziell für diese Patienten empfohlen werden können.

aus KfH aspekte 2/10