Gutes und böses Phosphat

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Wer seine Laborwerte kennt, kann großen Nutzen daraus ziehen. Kalium, Natrium, Phosphat und Co. verraten nierenkranken Patienten, was auf dem Speiseplan stehen sollte.

Phosphat ist eines der im Blut vorhandenen Salze, das in der Ernährung eine große Rolle spielt. Überschüssiges Phosphat wird normalerweise über die Nieren aus-geschieden. Mit einer Labor­untersuchung kann erhöhtes Phosphat im Blut festgestellt werden. Der Normalwert beträgt für Erwachsene 0,84 bis 1,45 mmol/Liter (2,5–5,0 mg/dl).

Ein erhöhter Phosphatwert im Blut ist ein klares Anzeichen dafür, daß die Funktion der Nieren be­reits beachtlich nachgelassen hat. Erhöhtes Phos­phat wirkt sich langfristig negativ auf die Kno­chenfestigkeit aus und verkalkt die Gefäße. Da Phosphat aber in sehr vielen Lebensmitteln ent­halten ist, sei es für eine gesunde Ernährung wichtig, zwischen „gutem“ und „bösem“ Phosphat zu unterscheiden, erklärt Dr. Christoph C. Haufe, Leitender Arzt des KfH-Nierenzentrums in Erfurt und Chefarzt der Nephrolo­gischen Schwerpunkt­klinik im Helios Klinikum.

Phosphat kommt in Lebensmitteln in unterschiedlicher Menge vor. Es findet sich vor allem in solchen mit einem hohen Eiweißgehalt, etwa Fleisch oder Käse. Seit Jahrzehnten wird jedoch indu­striell vielen Lebensmitteln zur Konservierung vermehrt Phosphat zugesetzt, sodass die gesamte mit der Nahrung aufgenommene Menge deutlich gestiegen ist.

Natürlich und künstlich

So kommt Phosphat zum einen also ganz natür­lich in tierischen Lebensmitteln wie Fleisch, Fisch und Milch vor, auch in Gemüse, Nüssen, Reis, Ha­ferflocken oder Hülsenfrüch­ten. Zum anderen ist Phosphat als Lebensmittelzusatzstoff in hochgra­dig verarbeiteten Fer­tig­lebensmitteln und „Fast Food“ enthalten. Es dient vor allem als Konservie­rungsmittel. Künstlich zugesetztes Phosphat fin­det sich beispielsweise in Tiefkühlpizza, Cola-Ge­tränken, Bier, Schmelzkäse, Milchpulver, Wurst, Backwaren oder auch in Tütensuppen, deklariert als Orthophosphatsäure (E 338) oder Natrium-, Kalium- und Calciumphosphate (E 339, E 340 und E 341).

Entscheidender Unterschied zwischen „gutem“, also von Natur aus in Lebensmitteln enthaltenem, und „bösem“, künstlich zugesetztem Phosphat: Während das natürliche Phosphat nur zu knapp 60 Prozent ins Blut aufgenommen wird, sind künstlich zugesetzte Phosphate häufig frei löslich und der Körper nimmt sie fast vollständig auf. Da­durch wird das Blut gleichsam mit Phosphaten überschwemmt. Für nierenkranke Patienten stellt zu viel Phosphat im Blut eine erhebliche Gefahr dar. Sie müssen daher die von der Lebensmittelin­dustrie zugesetzten Phosphate unbedingt vermei­den und phosphatreiche Nahrungsmittel reduzie­ren. Die Konsequenzen eines erhöhten Phosphat­werts sind für nierenkranke Patienten schwer­wiegend. „Durchblutungsstörungen und Gefäß­verschlüsse im Gehirn, an den Extremitäten und in den Herzkranzgefäßen drohen“, schildert Hau­fe. Besonders heimtückisch: Selbst deutlich er­höhte Phosphatwerte verursachen keine akuten Beschwerden. Für gesunde wie nierenkranke Menschen gilt der Rat: Verwenden Sie viele fri­sche Lebensmittel und meiden Sie Fertiggerichte oder haltbar gemachte Lebensmittel.

Kontrollieren und binden

Ist eine Niereninsuffizienz bekannt, so sollte man seine Eßgewohnheiten verändern und weniger Phosphat zu sich nehmen. Für Dialysepatienten ist es allerdings praktisch unmöglich, allein durch Diät die Phosphatwerte im Normbereich zu hal­ten. Das liegt unter anderem daran, daß Dialyse­patienten eine kalorien- und vor allem eiweißrei­che Kost empfohlen wird. Ein Zuwenig an Eiweiß kann zu einer gefährlichen Mangelernährung füh­ren. Eine starke Einschränkung von eiweißhalti­ger Kost, mit der Phosphat aufgenommen wird, ist deswegen nicht ratsam. Dies gilt allerdings nur, solange es sich um „gutes“ Phosphat handelt. „Weder bei der Hämodialyse noch bei der Perito­nealdialyse kann das überschüssige Phosphat aus der Nahrung komplett entfernt werden“, sagt Haufe. Da bei Dialysepatienten also nie alles Phosphat entfernt werden kann, muß man dessen Aufnahme in den Körper durch die Einnahme von Phosphatbindern vermindern. Diese Medikamen­te binden das überschüssige Phosphat, noch be­vor es im Darm aufgenommen werden kann und senken so den Spiegel im Blut. Individuell auf den Patienten abgestimmte Empfehlungen und Hin­weise zur Ernährung geben der betreuende Ne­phrologe und die Ernährungsberatung. Entspre­chend geschult, schätzt der Patient den Phosphat­gehalt seines Essens und nimmt direkt vor oder zu der Mahlzeit die entsprechende Men­ge phosphatsenkender Präparate ein. Der Phos­phatbinder wird vom behandelnden Arzt ver­schrieben. Er kann auf Basis der Blutwerte zu­sammen mit dem Patienten die notwendige Do­sierung ermitteln.

aus: KfH aspekte 1-19